Kloster Bethlehem
Klarissen-Kapuzinerinnen
von der Ewigen Anbetung
Klarissen-Kapuzinerinnen
Leben in Klausur
Unser Leben in Klausur
Leben in Klausur - reine Verschwendung
Wenn ich gefragt werde, was es bedeutet, Klarissen-Kapuzinerin zu sein, dann möchte ich am liebsten antworten: "Reine Verschwendung!"
Zunächst mag man ruhig
den negativen Klang heraushören.

Das war vor etwa 800 Jahren nicht anders, als die 18-jährige, talentierte, reiche, hübsche Klara bei Nacht und Nebel aufbrach, alles hinter sich ließ und den Rest ihres Lebens
- immerhin etwa 42 Jahre -
in San Damiano "hinter Gittern" verbrachte.

Reine Verschwendung!
Und wenn heute junge Frauen zu uns kommen, die durchaus in der Lage wären, ihre Frau in der Gesellschaft zu stehen, die feste zupacken könnten in den Notsituationen unserer Zeit, die auch prächtige Ehefrauen und Mütter abgeben würde, dann kann man nur sagen: Reine Verschwendung! -
"
Wenn sie wenigstens zu den Schwestern von Mutter Teresa oder in sonst eine Gemeinschaft gehen würden, wo etwas Produktives für die Menschheit getan wird...
Aber so: nur beten, in strenger Klausur
-
will Gott so etwas überhaupt?"
Wenn ich mit solchen Fragen konfrontiert werde, fällt mir Maria von Bethanien ein, diese Frau, die ihr ganzes kostbares Salböl restlos auf die Füße Jesu "verschwendete".
Einfach so - aus Liebe... Die Kritik bleibt nicht aus: "Das hätte man doch teuer verkaufen können, um den Erlös den Armen zu geben!" - Diese Kritik scheint so berechtigt, doch Jesus nimmt die Frau in Schutz. Er versteht diese Geste; er hat einen Sinn für solche Torheiten aus Liebe. Ja, er liebt die "reine Verschwendung", die nicht auf sich selbst, nicht auf den Verlust, nicht auf die Meinung der anderen schaut, sondern nur
auf IHN.
Und Jesus kann auch gar nicht anders: Wenn überhaupt einer so etwas versteht und bejaht, dann ER, der selber die reine Verschwendung aus Liebe gelebt hat.
Schauen wir sein Leben an: Geburt in einem Viehstall, Flüchtling, Laufbahn eines einfachen Arbeiters, 30 Jahre verborgenes Leben in Nazareth, dann drei Jahre als armer Wanderprediger und schließlich mit 33 Jahren - wenn bei anderen die Karriere erst richtig losgeht - das bittere Ende
als Schwerverbrecher am Kreuz.

Ist das "vernünftig"?
Das ist Karriere nach unten;
das ist Torheit der Liebe;
das ist reine Verschwendung!
Wie leben wir "reine Verschwendung"? Eine Klarissin versucht, ihr ganzes Leben, mit allem was dazugehört an Liebe, Zärtlichkeit, Kraft, Begabung, Zeit usw. verschwenderisch an Gott zu verschenken, ohne zu fragen, was ER dann damit macht; wie ER diese Hin-gabe fruchtbar machen wird für Kirche und Welt, ohne einen Leistungs-nachweis erbringen oder sichtbare Erfolge verbuchen zu können.
So ein Leben stellt die Normen unserer Gesellschaft geradezu auf den Kopf, und ich habe großes Verständnis für alle Verständnislosigkeit diesem Weg gegenüber.
Aber wenn ich so etliche Zeit des Tages und der Nacht bei Jesus verbringen darf, dann kann ich nur von Herzen froh sein im Gedanken an diese "reine Verschwendung", die doch nur Antwort sein will auf SEINE totale Verschwendung an uns, an jeden Menschen. In der hl. Eucharistie kommt dies besonders stark zum Ausdruck.
Kein Wunder, dass Klara von Assisi ihren langen, glühenden Blick vor allem auf die Menschwerdung Christi, auf sein Leiden und auf die hl. Eucharistie gerichtet hielt. Es sind die Brennpunkte der reinen Verschwendung, weil in ihnen die Radikalität der Liebe so deutlich wird, von denen wir uns immer wieder neu entzünden lassen zur Antwort der Liebe.
In der Anbetung, im dankbaren, schweigenden Empfangen SEINER Liebe, weiß ich mein Leben mit tiefem Sinn erfüllt. Nicht nur für mich und zu meinem "Privatvergnügen", sondern als stellvertretenden Dienst für eine Menschheit, die zum großen Teil nicht mehr zu schweigen versteht, die sich nichts mehr schenken lassen will, die nur noch an das Mach- und Berechen-bare glaubt; die Gott gegenüber nicht mehr auf Empfang eingestellt ist, sondern immer neue Formen der "Selbsterlösung" erfindet. Muss es da nicht auch Menschen geben, deren Beruf es ist, die Gaben Gottes aufzufangen, sich seiner verschwen-derischen Liebe einfach hinzuhalten - für alle?!



Offensichtlich kann Gott sich
solchen personellen Luxus
in seinem "Haushaltsplan" leisten,
denn immer wieder

rührt er Menschen an,
diesen verrückten Weg
der reinen Verschwendung
in der Nachfolge Christi zu gehen -
auch heute noch.


Bild links: Die Novizin legt ihre Zeitliche Profess
in die Hände der Äbtissin ab.
Um diese Berufung konsequent leben zu können, brauchen wir Hilfen. Eine davon heißt Klausur. Sie schenkt uns den nötigen Schutzraum für unser Leben in Verborgenheit und Gebet. Es wäre schön, wenn die positive Bedeutung der Gitter und Mauern wieder richtig verstanden würde.
Wenn ich z.B. Besuch bekomme und das Gitter im Sprechzimmer öffne, dann sagt mir dieses Gitter etwa:
"Der Mensch, dem du jetzt begegnest, gehört nicht dir, und du gehörst nicht ihm. Klammere dich an niemanden, und binde du niemanden an dich. Bleibe ganz frei für Gott, für deine Sendung, für jeden Menschen!"
Und wenn ich im Garten auf die Klausurmauer stoße, dann könnte sie mir sagen: "Suche dein Glück, deine Erfüllung nicht draußen; nicht im Lärm, nicht im Vielerlei der Reizüberflutung, Verflachung, Veräußerlichung...
Du wirst eine gewisse Leere empfinden, manchmal schmerzlich empfinden. Aber dieser Leerraum deines Herzens ist notwendig wie die graue Muschelschale für die Perle.
Der Raum deines ungeteilten Herzens ist das Gefäß, in das Gott selbst sich hineingießen will. Fülle es nicht selbst, sondern lasse es von IHM allein füllen." Klausur sagt mir: "Wenn du deine Erfüllung nicht in Gott findest, wirst du sie nirgendwo finden!
Niemals darf Klausur Selbstzweck sein oder ein bequemer Zufluchtsort für Leute, die sich vor den Bela-stungen des Lebens drücken wollen.
Klausur ist auch keine Abschottung vor der "bösen Welt". Nein, unsere Mauern müssen durchlässig sein für die Liebe - und Liebe ist nie bequem. Die Klausur verschafft uns ein Stück Wüste mitten in der Stadt, um uns in der Stille, der Sammlung, der Vertraut-heit mit Gott zu bewahren. Nur so haben wir auch etwas weiterzugeben an die Menschen, die zu uns kommen mit ihren Nöten und Ratlosigkeiten - und an die Menschen, die nicht zu uns kommen. Jeder Mensch hat irgendwie Heimatrecht bei uns, in unseren Gebeten,
im Herzen einer Klarissin.


So ein Leben der "reinen Verschwendung",
auch wenn es sich im Dunkel des Glaubens
und in der Nüchternheit eines geregelten Tagesablaufes vollzieht,
mit allen Menschlichkeiten, die es - Gott sei Dank -
auch im Kloster gibt,
dieses Leben schenkt reiche Erfüllung, Sinn, Freude und tiefen Frieden
des Herzens.
Und wenn meine Optik stimmt,
dann lese ich in den Gesichtern meiner Mitschwestern das, was ich selber empfinde:
Ich möchte mit niemandem tauschen!


Sr. M. Franziska Funken OSCCap